Eifersucht ist eine komplexe emotionale Reaktion, die in vielen Beziehungen auftreten kann und oft tieferliegende psychologische Dynamiken widerspiegelt. In Österreich kann (starke) Eifersucht als eine der möglichen Eheverfehlungen betrachtet werden, die zur Zerrüttung der Ehe führen können.

Gegen den Willen des anderen Ehepartners kann die Ehe oft nur aus wichtigem Grund mit Scheidungsklage beendet werden. Hierfür muss eine schwere Eheverfehlung vorliegen, welche zur Zerrüttung der Ehe geführt hat. In Österreich spricht man vom sogenannten Zerrüttungsprinzip. Auch in ständiger unbegründeter Eifersucht liegt eine Eheverfehlung, die geeignet ist, die eheliche Gemeinschaft zu zerrütten.[1] Das gilt auch für die grundlose Beschuldigung ehewidriger Beziehungen.[2]

Psychologisch betrachtet ist Eifersucht oft mit einem Mangel an Selbstbewusstsein verbunden. Menschen, die unter starken Eifersuchtsgefühlen leiden, könnten möglicherweise Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle haben und sich unsicher in ihrer Beziehung fühlen.[3] Nimmt die Eifersucht krankhafte Ausmaße an, kann ein Eifersuchtswahn vorliegen, welcher laut dem Obersten Gerichtshof einen Scheidungsgrund darstellt, wenn die Ehezerrüttung unheilbar ist.[4]

Auch wenn Eifersucht für sich allein noch nicht zur Zerrüttung der Ehe führen muss, stellt es oft den Beginn eines schleichenden Prozesses dar, in dem das Vertrauen und die Intimität zwischen den Ehepartnern schwindet und es langfristig zu einer zunehmenden Distanz und Unzufriedenheit in der Beziehung kommt.[5] In der heutigen Welt, die von Emanzipation geprägt sein sollte, findet es kaum noch Anklang bei einer Ehepartnerin oder einem Ehepartner, wenn man in der Beziehung kontrolliert wird – sei es durch unbegründete Vorwürfe angeblicher Ehebrüche, Verbote gewisse Kleidungsstücke zu tragen oder Aufforderungen nur in Frauenfitnessstudios zu gehen.

Eifersucht kann einen großen Einfluss auf die Beziehungsdynamik haben, doch die spezifischen Auswirkungen auf eine mögliche Scheidung sind vielschichtig und benötigen eine umfassende Betrachtung, die nicht nur das Verhalten an der Oberfläche, sondern auch die zugrunde liegenden psychologischen Dynamiken und persönlichen Umstände berücksichtigen.

Anna Moscher

28.02.2024

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[1] OGH 8Ob630/89 (RS0056648)

[2] 7 Ob 536/90

[3] Merkle Rolf, Eifersucht – Vertrauen lernen – die Angst nicht geliebt zu werden, überwinden (2020)

[4] 4 Ob 528/87

[5] Brückner Jessica, Wenn aus Liebe Hass wird – die zerstörerische Kraft der Eifersucht (2007)